Reise in die Normandie, die Gelb Westen

Ich beginne mal mit der Reise in die Normandie , vor ca. 1 Jahr.

Wir hatten als Familie, drei Engländer und drei Deutsche, für eine Woche ein Quartier in der Normandie gemietet. Ein wenig Erholung, kleine private politische Diskussionen sowie Besuche von historischen Bauten und Museum sollten die Woche füllen.

Bei der Anreise mit dem Auto von Paris in die Normandie sah man häufig Gelb Westen. Sie waren  an den größeren Straßen-Verkehrspunkten präsent. Im Dunkeln sind wir in der Normandie angekommen, in dem kleinen Nest Gratot, in der Nähe von Coutances.

Am ersten Tag waren wir am Atlantik spazieren. Am zweiten Tag fuhren wir in Richtung Coutances und kamen an einem Kreisverkehrspunkt wo sich die D44 mit der D971 trifft. Genau an diesem Punkt hatten sich ca. zwanzig Alte, Junge, Frauen und Männer von den Gelb Westen an einem Feuer und mit Fahnen und Tannenbaum geschmückten Treffpunkt versammelt. Es sind Arbeiter mit Teilzeit Jobs, Rentner, Arbeitslose, Putzfrauen, Kraftfahrer, Auszubildende, Lagerarbeiter usw. die auch nach ihrer schlecht bezahlten Arbeit dort zum Treffpunkt kommen. 

Als wir sie sahen hatte jeder von uns den Wunsch mit ihnen zu sprechen. Wir parkten das Auto und gingen zu ihnen.

Sie waren ein wenig überrascht, weil wir „Ausländer“ sie besuchten. Nach einer Minute sahen und spürten sie, dass wir absolut solidarisch mit ihnen sind. Wir sagten, dass wir ihren Mut und Kampfgeist bewundern und das sie etwas wunderbares machen. Das ihr Kampf Unten gegen Oben nur eine Volksbewegung machen kann. Sie sagten, dass sie sehr glücklich seien, dass wir sie besuchen und fragten, wie die Menschen in Deutschland sie wahrnehmen. 

Sehr positiv und als Vorbild für alle Fortschrittlichen Menschen in Deutschland. Es gibt sehr viel Sympathie in Deutschland. Sie waren sehr glücklich und wir umarmten und küssten uns. 

Fast alle weinten, ich auch, weil das Gefühl der Gemeinsamkeit sehr stark war. Diese innige Verbundenheit ist ein Gefühl von brüderlicher Liebe, wie man  sie nur in solchen Situationen erleben kann. Es ist ein wunderbares Gefühl. Die Verbrüderung war zu tiefst menschlich.

Sie sagten, dass sie solange kämpfen werden bis alle Forderungen erfüllt sind. Für alle ist dieser politische Kampf der erste in ihrem Leben. Sie waren vorher nie politisch. Die Ungerechtigkeit und ihre soziale Situation hat sie zu dem gemacht, was sie jetzt sind, ein Teil einer großen Volksbewegung. Wir haben viele Fotos gemacht.

In der einen Stunde in der wir uns verbrüderten fuhren unzählige Autos vorbei die hupten, als Zeichen der Solidarität mit den Gelb Westen. Viele hatten auch Gelb Westen auf ihrem Armaturenbrett liegen. 

Beim zweiten Treffen waren wir schon bekannte Freunde. Man zeigte uns die aus dem Nichts heraus gebauten provisorischen Unterkünfte, wo sie teilweise übernachten. Alles haben sie alleine organisiert und gebaut. Wir unterhielten uns wie Freunde und tauschten Infos aus. Man kann ihren Kampfwillen und ihre Entschlossenheit förmlich „anfassen“, so stark ist er. Das sind keine Menschen, die man bei „Aufstehen“ trifft, oder in der linken Szene vorfindet, das sind Menschen, die bereit sind alles zu geben um ihr Ziel zu erreichen.

Das ist eine revolutionäre Entschlossenheit, wie ich sie noch nie erlebt habe. Liebe und Solidarität ist ein wichtiger Teil in ihrem Kampf. Deshalb werden sie auch Erfolg haben.

Diese innige Liebe, Solidarität und Verbrüderung gibt es in der „aufstehen Bewegung“ nicht.

Darum wird die „aufstehen Bewegung“ auch niemals zur Volksbewegung werden – auch wenn man sich eine Gelbe Weste überzieht – aller höchstens eine kleine Partei von linken Besitzbürgern mit polit Fuzzis aus dem Bundestag als Vorsitzende.

Manni Guerth

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Manni Guerth

Als Arbeiter bin ich aktiv an der Lebenserhaltung der Gesellschaft beteiligt. Ich bin, wie alle Arbeiter/innen, das Herz und Gehirn der Gesellschaft. Obwohl das so ist, haben wir keine politische Macht um für uns Existenzgerechtigkeit herzustellen. Das möchte ich ändern. Ich möchte aktiver Teil sein, an einer positiven Veränderung der Geschichte und der Gesellschaft.

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